Sehenswertes in Sülzbach

Oetinger Haus

Hauptstraße 10, Obersulm-Sülzbach

Einst Wohnhaus der vermögenden und angesehenen Oetingers. In Sülzbach ansässig seit dem ausgehenden 16. Jahrhundert.

Das prächtige Fachwerkgebäude mit seinen zwei Giebeln war das Wohnhaus der Oetingers, wobei insbesondere Johann Michael Oetinger der bedeutenste Oetinger war. Schultheiß Johann Michael Oetinger entstammte einer Famile, die ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert in Sülzbach ansässig war. Innerhalb von drei Generationen mehrten sich die Reichtümer der Familie. Das Mühlrad in ihrem Wappen weist darauf hin, dass sie im Besitz einer Mühle waren. In den Besitz der Mühle der Familie Müller kamen die Oetinger, durch die Heirat von Michael Oetinger dem Älteren mit  Anna Beheim verw. Müller im Jahre 1569 . Michael der Ältere (verstorben anno 1609, den 5. May), war zudem 24 Jahre lang Gerichts- und Ratsmitglied. Schon damals trug er mit 200 Gulden eine beachtliche Summe zum Kirchenneubau (1616-1619) bei. Von seiner Wohltätigkeit und der seiner Frau Anna profitierten aber auch die Armen im Dorf, denen sie immerhin 55 Gulden vermachten.

Sein Sohn Michael der Jüngere übte ebenfalls öffentliche Ämter aus. Er war wie sein Vater Gerichts- und Ratsmitglied und gehörte der Bauverwaltung der Kirche an, was die Inschrift über dem Kirchenportal bezeugt. Auch er stiftete der Kirche 200 Gulden und seine erste Frau den Armen 20 Gulden. Michael der Jüngere verstarb 1635.

In der dritten Generation brachte es dann Johann Michael Oetinger zum Schultheiß. Aufgrund seiner großen Bedeutung fand er seine Ruhestätte im Chor der Kilianskirche. Seine sterblichen Überreste wurden bei Grabungen in der Kirche 1937 gefunden. Oetinger war in seiner Zeit ein reicher Herr. Bei einer Kriegsbesteuerung 1645/46 war Oetinger mit 1.300 Gulden der höchstbesteuerte im Ort. Gegenüber dem mehrmals umgebauten Wohnhaus, das wir heute nicht mehr in seiner Ursprungsfom sehen, besaßen die Oetingers mehrere Häuser und Wirtschaftsgebäude sowie Wiesen und Gärten. Selbst in Weinsberg besaßen sie Haus- und Grundbesitz. Schultheiß Oetinger verstarb am 19. April 1665 im Alter von 58 Jahren offensichtlich unerwartet, denn auf seiner Grabplatte im Inneren der Kilianskirche ist folgendes vermerkt: "Accidit in Punkto, Quod non seperatour in Anno". Zu deutsch: "In einem Augenblick kann eintreten, was man in einem Jahr nicht gehofft hat". Die Bestattung fand unter zahlreicher Begleitung "volckreicher frequentz" statt, was den damaligen Pfarrer Friedrich Honold zu einem etwas boshaften Eintrag im Totenbuch veranlasste. Er lautet in deutsch: "Trifft den Reichen der Tod, so springen im Haufen die Bürger. Stirbt ein Armer, ist da kaum einer oder der andre".

Der Drang nach Repräsentation und die dem Bürgertum zur damaligen Zeit eigentlich nicht zustehende Selbstdarstellung kommt durch das prächtige Oetinger Epitaph in der Kilianskirche zum Ausdruck. (Eptiaph= Gedenktafel in einer Kirche für einen Verstorbenen ohne eine unmittelbare Vebindung zur eigentlichen Grab)

Im Laufe der Jahrhunderte wechselte das Gebäude dann häufig die Besitzer. Unter anderen waren dies Gottlieb Plappert (Schultheiß in Sülzbach) und ab 1936 Christian Dierolf aus Grantschen sowie die Bäckerfamilie Gotthilf Schulz, welche bis in die 1960er Jahre im Gebäude eine Bäckerei und das Gasthaus zum Löwen betrieben.


Die Familie Oetinger

Herkunft:
 
Oetinger, Wendel (Müller)                Ehegatte                       Hock, Katherina
geb. 1515 in Sindringen                                                          geb. um 1520
gest. 17.08.1569 in Sindringen                                               lebte noch 1591
 
deren Sohn:
 
Oetinger, Michael (der Ältere)         Ehegatte                       Anna Beheim verw. Müller
(Müller)
geb. 1549 in Sindringen                                                         geb. ca. 1545 in Sülzbach
gest. 05.05.1609 in Sülzbach                                                gest. 21.08.1593 in Sülzbach
                                             Eheschließung am 27.06.1569 in Sülzbach
Michael Oetinger war 24 Jahre Gerichts- und Ratsmitglied. Zum anstehenden Kirchenneubau steuerte er die hohe Summe von 200 Gulden bei. Auf dem Epitaph in der Kirche ist auf der linken Seite seine Familie dargestellt. Sie umfasste sechs Personen.
 
Seine Ehefrau Anna war die Witwe von Schultheiß Han(n)s Müller, der die damals zum Kloster Lichtenstern gehörende Mühle betrieb. Nach der „Türkenschatzungsliste“ von 1545 (Sondersteuer zur Finanzierung der Türkenkriege) gehörte Hans Müller mit einem Vermögen von 700 Gulden zu Reichsten am Ort. Schon das Vermögen seines Vaters Kilian Müller (ebenfalls Müller) wurde in der sog. „Herdstättenliste“ von 1525 auf 200 Gulden geschätzt.
 
Anna Beheim dürfte eine Nachfahrin des um 1474 ums Leben gekommene Meistersingers und Schultheißen von Sülzbach, Michael Beheim, gewesen sein. Dessen Sohn Paul (Paule Behaym), der in Wien studiert hatte und mit ihm zusammen wieder nach Sülzbach zurückgekehrt war und der Enkel Lazarus werden 1495 unter den Einwohnern des Orts genannt. Ferner findet sich 1515 geboren, ein „Beheim Sohn“ /Schultheiß (?)
                                                              

Familienstammbaum:
Aus der großen Familie 0etinger/Beheim sind zwei Kinder bekannt.
eine Tochter:
Oetinger, Künigunt
geb. 17.08.1574 in Sülzbach
(keine weiteren Daten bekannt)

ein Sohn:
Oetinger, Michael (der Jüngere)
Der Sohn Michael übte ebenfalls den Beruf des Müllers aus. Ebenso war er Gerichts- und Ratsmitglied wie sein Vater. Über dem Portal auf der Westseite des 1619 fertiggestellten Kirchenneubaus wird er namentlich als Bauverwalter genannt. Auch er stiftete für den Neubau 200 Gulden. Auf dem Epitaph in der Kirche ist auf der rechten Seite seine Familie dargestellt. Sie umfasste 13 Personen.


Oetinger, Michael (der Jüngere)       Erste Ehe   mit         Schuler, Margaretha
Taufe 23.05.1577 in Sülzbach                                               geb. 1580 in Öhringen
gest. 24.11.1635  in Sülzbach                                               gest. 05.08.1617 in Sülzbach
                                             Eheschließung 22.06.1602 in Sülzbach
Der Vater von Margaretha Schuler war Wilhelm Schuler „Der Ältere“, Schultheiß in Öhringen
 

Kinder aus 1. Ehe (Oetinger, Michael/Schuler Margaretha), soweit bekannt:
Oetinger, Anna
geb. 26.08.1603 (?) keine weiteren Daten
Oetinger, Johann Michael     
Taufe 26.12.1606 in Sülzbach
gest. 19.04.1665 in Sülzbach
Oetinger, Magdalena                                           Eheschließung                     mit
Taufe 22.12.1609 in Sülzbach                        02.07.1633 in Sülzbach           Pauli, Matthias                       
gest. 13.12.1633 (13.10.1635 ?) in Bönnigheim
Oetinger, Künegunda
Taufe 15.10.1611 in Sülzbach
gest. ?
Oetinger,  Anna Maria                                  Eheschließung                            mit     
Taufe  11.12 1612 in Sülzbach                      02.12.1634 in Sülzbach          Hans Ludw.(?),             
gest. ?                                                                                                                        Schultheiß (?)
 
 
Oetinger Michael (der Jüngere)          Zweite Ehe     mit     Lutz, Margaretha      
                                                                                                   geb. ca. 1590 in ?
                                                                                                   gest. 06.05.1637 in Sülzbach
                                   Eheschließung am 06.11.1620 in Sülzbach
Margaretha Lutz war die Tochter des um 1560 geborenen Schultheißen Melchior Lutz.
 
Kinder aus der zweiten Ehe (Oetinger, Michael /Lutz Margaretha), soweit bekannt:
 
Oetinger, Euphrosina
geb . 18.03.1623 in Sülzbach
gest. ?
 
Oetinger, Melchior                             Eheschließung           15.09.1646  mit
Taufe 20.03.1627 in Sülzbach                                              Blintzing (Blinzinger ?) Maria
gest. ?                                                                                   Elisabetha
                                                                                              geb. 1625
 
  
Oetinger, Johann Michael (Sohn aus 1. Ehe Oetinger Michael d.J./Schuler, Margaretha)

Johann Michael Oetinger war sicherlich der bedeutendste Spross dieser Familie in Sülzbach. Teilweise wird er als herzoglich württembergischer Amtmann bezeichnet. Auf jeden Fall begleitete er viele Jahre das Amt des Stabschultheißen. (Stab = Gerichts/Verwaltungsbezirk). Zum „Stab“ gehörten außer Sülzbach noch Grantschen, Wimmental und Dimbach. Er war bei weitem der vermögendste Bürger in Sülzbach. Bei einer Kriegsbesteuerung 1645/1646 war Oetinger mit 1300 Gulden der Höchstbesteuerte. Sowohl das „Thaylbuch“ von 1636 (Inventarliste aller Sülzbacher Familien) sowie ein Verzeichnis anlässlich des Todes seiner Ehefrau Regina im Jahr 1649 vermitteln eine genaue Vorstellung über den großen Reichtum der Familie.
Nach der Chronik von Sixt Haussmann hatte er aus seinen beiden Ehen 12 Kinder. Seine letzte Ruhestätte fand er im Chor der Kilianskirche. Seine Grabplatte ist dort in die Nordwand eingelassen. Die Inschrift auf der Grabplatte beginnt: “Hier schläft ein Oetinger, der Wohlberühmt gewesen, Benebens ein sehr Reicher Herr …“ 
Da im Herzogtum Württemberg im 17. Jahrhundert beim Todesfall bereits Realerbteilungsrecht galt (Landbesitz wurde früher auch als Realitäten bezeichnet), zersplitterte sich der Besitz von Johann Michael Oetinger unter seiner großen Nachkommenschaft.
Oetinger, Johann Michael                Erste Ehe mit           Bächler, Regina  (auch Bechler)
Taufe 26.12.1606 in Sülzbach                                          geb. 1610 (?) in Eberstadt
gest.  19.04.1665 in Sülzbach                                          gest. 28.02.1648 in Weinsberg
 
                                               Eheschließung 07.05.1637 in Sülzbach
Regina Bächler wird als verwitwete  Weinschreyer und verwitwete Baur genannt.
  
Kinder aus der 1. Ehe (Oetinger, Johann Michael/Bächler, Regina)
Auflistung nicht vollständig
 
Oetinger, Johann Philipp                    Eheschließung                      Zampolst (auch Gambolst)
                                                            18.05.1669 in Neuenstein       Auguste Leonore
 geb. 1642 (?) in Sülzbach (?)                                                             geb. ?
 gest. 09.10.1691 in Lichtenstern                                                        gest. ?
 
Johann Philipp Oetinger war zuerst Keller (Verwalter) auf dem Hohentwiel (zumindest um 1670/1671). Danach wird er als Geistlicher Verwalter und Gerichtsverwandter in Böblingen
genannt. Spätestens ab 1675  (Geburt seines Sohnes Philipp Christoph) übt er das Amt des Klosterhofmeisters und Oeconomus (Verwalter) im Kloster Lichtenstern aus. Noch wenige
Monate vor seinem Tod hatte er eine heftige Auseinandersetzung mit dem Freiherr von Moserschen Vogt Joh. Georg Ungerer in Eschenau. F.v. Moser maßte sich sich (letztendlich
vergeblich) noch das Verfügungsrecht über den früheren Eschenauer Bürger Jörg Beingesser an. Dieser war bereits Waldbacher Bürger geworden und gehörte somit zum württ. Klosteramt Lichtenstern. (EsA 37).
 
Oetinger, Johann Christoph               Eheschließung                 Landerer, Anna Margaretha                                                                                                                                                                                                                               23.04.1667 in Beilstein     (verw. Leyrer)                                                                   
Taufe 16.10.1645 in Sülzbach                                                        geb. 13.12.1630 in Löwenstein
gest.  09.10.1691 in Backnang                                                       gest. 30.09.1705 in Lichtenstern    
      
Johann Christoph Oetingers  (Amtsschreiber) Lebensweg führte u.a.über Beilstein nach Backnang. In Beilstein ist auch sein gleichnamiger Sohn Johann Christoph (1668 – 1733) geboren. Dieser war Stadt- und Amtsschreiber in Göppingen.
 
Aus dessen zweiter Ehe mit Rosine Dorothea Wölffing stammt der 1702 in Göppingen als drittes von 11 (10?) Kindern geborene Sohn Friedrich Christoph Oetinger, als Schüler von Johann Albrecht Bengel ein bedeutender Vertreter des württembergischen Pietismus. Von 1752 bis 1759 begleitete er das Amt des Stadtpfarrers von Weinsberg; zugleich war er Superintendent (Dekan) im Kirchenbezirk. Mit seinen Werken beeinflusste er viele Geistesgrößen seiner Zeit; selbst Hermann Hesse verewigte ihn später in seinem „Glasperlenspiel“. Wegen seinen alchimistischen Neigungen war er nicht unumstritten.
Zuletzt war er Stadtpfarrer in Murrhardt; gleichzeitig auch Prälat. Seine Rolle bei dem letztendlich vergeblichen Versuch in Wüstenrot und Neulautern ein gewinnbringendes Silberbergwerk zu betreiben, ist ebenfalls nicht eindeutig. Viele Geldgeber und Beteiligte am Projekt, darunter auch Johann Kaspar Schiller, der Vater von Friedrich Schiller, verloren teilweise beträchtliche Summen.
  
Oetinger, Maria Margaretha                Eheschließung                   Wilhelm, Hans Jakob
geb. 1647 in Sülzbach                          18.11.1662 in Sülzbach      geb.?
gest. ?                                                                                                gest.?

 
Oetinger, Johann Michael                  Zweite Ehe mit                   Märckhl (in) (auch Mörkler) Magdalena (verw. Oetinger ?)                                                                           
                                                             1648 in Sülzbach.               geb. 14.04.1623 in Beilstein
                                                                                                          gest. 07.07.1690
 
 
Kinder aus der 2. Ehe (Oetinger, Johann Michael/ Märckhin, Magdalena)
Auflistung nicht vollständig
 
Oetinger, Hans Josef
Taufe 11.02.1655 in Sülzbach
gest. 23.08.1676 in Stuttgart
 
Oetinger, Regina Magdalena
Taufe 25.02.1651 in Sülzbach
gest. 14.08.1684  in Stuttgart
 
Oettinger, Hans Heinrich                  Eheschließung                 Herterich, Magdalena
Taufe 16.06.1653 in Sülzbach         12.11.1672 in Sülzbach    geb.?
gest.15.01.1694 in Sülzbach                                                     gest.?
 
In der Kirchenvisitationsakte von 1692 wird gerügt, dass die Bevölkerung in „päpstische Orte“ (kath. Orte) zur Kirchweih laufe, zu Gesäuf und Tanzen bis zur Mitternacht. Auch Hans Heinrich Oetinger sei mit Weib und Kindern zur Kirchweih nach Wimmental gegangen. Er wird verwarnt, das „Kirchweih-Ludieren“ zu lassen.


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