Sehenswertes in Affaltrach

Früheres (katholisches) Schulgebäude (jetzt "Dorfburg" genannt)

Dorfbergstraße 24, Obersulm-Affaltrach

Das 1913 erstellte Gebäude diente mit einer Unterbrechung bis 1946 als katholische Schule. Nach Einführung der "Christlichen Gemeinschaftsschule" wurden auch in späteren Jahren, sofern es Schulraumbedarf gab, die Räume für den Volksschulunterricht genutzt. Die Gemeinde Affaltrach erwarb das Gebäude im Jahr 1967. In den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts verpachtete die Gemeinde Obersulm das Gebäude an das Ev. Jugendwerk Weinsberg. In diesem Zusammenhang erhielt es den Beinamen "Dorfburg".

Schule in früheren Zeiten

Das Schulwesen

Schulen werden auf dem Lande erst nach der Reformation eingeführt und unterstehen der kirchllichen Aufsicht. Herzog Christoph von Württemberg erließ 1559 die "Große Kirchenordnung", die auch die erste "Schulordnung" enthielt. Sie hatte allerdings nur in seinen württembergischen Landen Gültigkeit. So galt also für Sülzbach, Weiler und Willsbach die württembergische Schulordnung, während in Affaltrach (mit kirchlichem Filial Eichelberg) und in Eschenau die jeweiligen Ortsherrschaften für eigene Schulordnungen sorgten. Bereits in der Dorfordnung des Johanniterordens von 1587 war ein Kapitel dem Schulwesen gewidmet. "Zur Gottforcht, gutten Künsten und Ehrbarkhait Anweysen"  war als Aufgabe des Schulmeisters darin festgelegt.

Schulräume und Schulgebäude bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts

Schulmeister waren oft die Mesner und der Unterricht fand meist in ihren Wohnungen statt. Allerdings soll unter Komtur Gottfried Droste von Fischingen 1664/1665 ein evangelisches Schulhaus vom "Heiligen" (Kirchenpflege) erbaut worden sein, das allerdings im sog. Lagerbuch Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr nachzuweisen ist. Der katholische Schulunterricht fand teilweise in angemieteten Wohnungen statt. 1811 plante die Katholische Kirchengemeinde für ihre Schule eigene Räume durch einen Anbau an das damalige Kath. Pfarrhaus. Weil diese Überlegungen scheiterten, wurde erneut eine Wohnung in einem Privathaus für den Unterricht angemietet. Auch in der Evangelischen Gemeinde bestand "ein Bedürfnis nach einem eigenen Schullokal". 1829 erwarben die beiden Kirchengemeinden an der Eichelberger Straße zwei alte Gebäude und erbauten dort ein gemeinschaftliches Schulhaus für beide Konfessionen. Im Erdgeschoss war die kath. Schule und im Obergeschoss die evang. Schule untergebracht. Außerdem gab es zwei Lehrerwohnungen. Finanziell kräftig unterstützt wurden sie bei diesem Vorhaben durch die Staatskasse und eine Sonderkollekte. 1892 zogen die evangelischen Schüler in das von der bürgerlichen Gemeinde an der Eschenauer Straße neu erbaute Schulhaus. Das seitherige gemeinschaftliche Schulgebäude  ging nach 1887 im Zuge der sogenannten "Ausscheidung" des Schulvermögens aus dem Kirchenvermögen an die Gemeinde Affaltrach über. Sie verkaufte es 1894 für 1200 Mark an die  Katholische Kirchengemeinde. Diese richtete im unteren Stock die Lehrerwohnung und eine Mietwohnung ein, im oberen Stock das Schulzimmer und eine weitere Mietwohnung. 1929 verkaufte sie auf Anordnung des Bischhöflichen Ordinariats das Gebäude für 9500 Mark an die Weingärtnergenossenschaft, "weil es nicht mehr nötig und nur als Mietshaus in Frage kommt." Bereits 1912 durften nämlich die katholischen Schüler ihr neues Zuhause auf dem Dorfberg beziehen.

Das frühere Schulhaus auf dem Dorfberg

Das Schulgebäude und seine schulische Nutzung

Weil das alte Schulhaus an der Eichelberger Straße "wegen zu häufiger Reparaturen unrentabel wird" kaufte die katholische Schulgemeinde 1909 eine Baumwiese in den Bangärten als "Schulhausbauplatz" und begann zügig mit Planung und Bau. Bereits 1913 folgte die feierliche Einweihung.  Die Baukosten beliefen sich auf rund 15 000 Mark, was die Gemeinde vor große finanzielle Schwierigkeiten stellte.

Das markante Gebäude am Dorfberg mit seiner herrlichen Aussicht über das Weinsberger Tal überragt den alten Ortskern von Affaltrach. Das Grundstück ist über die Dorfbergstraße erschlossen. Zusätzlich verbindet eine lange Treppenanlage das frühere Schulhaus mit dem Bangartenweg. Durch das Hochparterre wirkt das Gebäude nach Süden hin fast dreistöckig, zumal unter dem Krüppelwalmdach auf der  Giebelseite zwei große Fenster eingelassen sind. Über eine Außentreppe auf der Südseite gelangt man in das Erdgeschoss. Dort befand sich der große Schulsaal mit kleinen Nebenräumen. Bis zu 50 Kinder aus sieben Altersjahrgängen konnten dort in der Einklassenschule gemeinsam unterrichtet werden. Das obere Stockwerk war für die Lehrerwohnung vorbehalten. 

Die Volksschulen in Württemberg waren Konfessionsschulen bis zu ihrem Verbot durch die Nationalsozialisten1936. Im Juli 1936 beschloss der Affaltracher Gemeinderat, beim Kultusministerium die Einführung der Deutschen Volksschule im Ort zu beantragen, denn im "einigen Reich kann auch nur eine Volksschule Platz haben". Die Anregung des Bezirksschulamts Heilbronn zu einer freiwilligen Selbstauflösung der Schule wies das Gremium des Ortschulrats scharf zurück. So kam es im März 1937 zur zwangsweisen Auflösung der katholischen Schule auf Ende des Schuljahres. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 eröffnete Pfarrer Adolf Staudacher die Schule am Dorfberg wieder. Er selbst war ja seit 1941 inhaftiert und von 1942 - 1945  ins Konzentrationslager Dachau gebracht worden. Doch schon mit Beginn des 2.Schulhalbjahres 1945/1946 wurde die katholische Schule wieder aufgelöst. Die Schüler mussten nun die Volksschule an der Eschenauer Straße besuchen. Grund dafür war die neue Verfassung von 1946 des damaligen Landes Württemberg-Baden. Als Regelschule wurde dort in Artikel 37 nach heftigen Debatten die "Christliche Gemeinschaftsschule" festgeschrieben. Nur der Religionsunterricht wurde getrennt unterrichtet. Der fand dann auch noch längere Zeit für die katholischen Schüler im Schulhaus auf dem Dorfberg statt. Eine schulische Nutzung des Gebäude durch die Gemeinde blieb bis 1974 bestehen.

 Außerschulische Nutzung (Die Dorfburg)

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es im Weinsberger Tal zwei Apotheken, eine in Weinsberg und die andere in Löwenstein. Nach der Zerstörung Löwensteins fand der Apotheker Dr. Henzerling in Affaltrach eine neue Bleibe und zwar zuerst im Erdgeschoss des früheren Schulgebäudes. Er blieb dort bis zu seinem Neubau "Am Ordensschloß" 1950/51. Ab September 1949 wurde das Gebäude an die bürgerliche Gemeinde verpachtet und 1967 schließlich an die Kommune verkauft.

Ab Mitte der 70-er Jahre des letzten Jahrhunderts tritt das Evangelische Jugendwerk Weinsberg als Mieter auf. Zum einen erhält der jeweilige Jugendreferent dort sein Büro und teilweise auch die Wohnung, zum andern finden in dem frühren Schulsaal Veranstaltungen des Jugendwerks statt. So bürgerte sich nach und nach die Bezeichnung "Dorfburg" für das alte Schulhaus ein.


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